v-muster original   100 x 100 cm acryl auf leinwand      © jutta braun

 


 

projekt kunst stoff


idee
ausgangspunkt bildet die von künstlerin jutta braun geschaffene codierte darstellung des themas "weiblichkeit“.
im prozess der künstlerischen auseinandersetzung mit dem weiblichen akt im bereich der malerei entwickelt sie das bild „v-muster“ und die idee dieses auf stoff zu übertragen.
ihr ziel, dieses bild für das eigentliche sujet -die frau- tragbar zu machen, führt zur kontaktaufnahme mit designerin julica hennig.
in dem ihr vorgestellten bild findet designerin julica hennig eine entsprechung ihres eigenen bis zu diesem zeitpunkt ausgeprägten intuitiven bezugs zum thema der weiblichkeit vor, sowie ihrer bereits stattgefundenen persönlichen auseinandersetzung, z. B. in verbindung mit dem thema „schutz“.

 

dynamik
sehr schnell erkennen die frauen, dass eine hohe kreative energie im beiderseitigen austausch frei wird.
dies führt zur raschen gründung ihres gemeinsamen projektes „kunst stoff“ im november 2006.
in einem intensiven gemeinsamen prozeß -auf der basis ihrer unterschiedlichen schwerpunkte- entwickeln jutta braun und julica hennig an der spannenden schnittstelle von kunst und kleidung mobile kunst in form von 4 körperhüllen.
diese werden das erste mal an der „langen nacht der museen“ im märz 2007 in mannheim im atelier von jutta braun im rahmen einer ausstellung und der von der künstlerin entwickelten schwarzlichtperformance „tragbare kunst“ präsentiert.
okt/ nov 2007 findet das projekt in der zur 400-jahrfeier mannheims aufgebauten kulturcontainerstadt seine fortführung.
die ausstellung in dem zweigeschossigen am ufer des neckar gelegenen glascontainers eye.con findet ihren höhepunkt in der eigens für dieses ambiente von julica hennig entwickelten performance.
im juni 08 präsentiert sich "kunst stoff" erstmals auf dem laufsteg beim „mode schauen“ im dschungel/ mannheim.

 

prozeß
sowohl die persönliche auseinandersetzung von julica hennig als auch der gemeinsame austausch mit jutta braun führen zu erkenntnissen, welche für die designerin sowohl auf der formalen, wie auch auf der inhaltlichen ebene bestimmend für die gesamtgestaltung der 4 körperhüllen werden.

 

stoff | muster
durch auswahl der materialien und art der drucktechnik wird eine steigerung des schwarz-weiss-kontrastes des v-musters erreicht.
mittels siebdruck gelingt es eine samtartige oberfläche mit einem sehr intensiven schwarz herzustellen.
dies geschieht durch das aufbringen schwarzer flockfasern aus polyamid auf weissem moleskin.
gleichzeitig entsteht eine sinnlich erfahrbare reliefartige oberfläche.

 

entwurf
die entscheidung zu einer schlichten klaren formgebung leitet sich aus der wirkung des musters ab.
sich am körper schmiegende silhouetten der körperhüllen zeichnen den weiblichen körper sanft nach und betonen das weibliche prinzip.
die möglichkeit die hülle zu öffnen und zu verschließen ist ausschließlich in der körpermitte angelegt.
diese plazierung findet ihre entsprechung zu den körperöffnungen des weiblichen körpers, insbesondere dem weiblichen schoß -der vagina.
diese konsequente weiterführung stellt eine zentrale schnittstelle der bereiche kleidung und kunst dar.

 

schnitt
die körperbetonte schnittführung ist schwerpunktmäßig auf vertikale linien angelegt, welche die ebenfalls vertikale öffnungs- und verschlußmöglichkeit der körperhülle aufnehmen.

 

begrifflichkeit

 

mobile kunst
jutta braun definiert den begriff der mobilen kunst.
wie bereits in ihren früheren arbeiten, wird auch dieses mal ihre künstlerische arbeit vom medium der leinwand auf den körper der frau transportiert.
trägerstoff ist nun nicht die nackte haut der trägerin, sondern eine hülle aus beflocktem gewebe.
trägerin ist wiederholt die frau –das eigentliche sujet.
damit wird sowohl eine unmittelbarkeit und direktheit, sowie eine verdichtung und konzentration der thematik erreicht.

 

körperhülle
julica hennig definiert den begriff der körperhülle.
dieser steht für die ebene der verhüllung und enthüllung des bearbeiteten themas weiblichkeit.
die frauen erkennen, dass die körperhülle eine ambivalenz von schutz und ausgesetztsein in sich trägt.
während der körper der frau von der körperhülle physikalisch und vor blicken geschützt wird, wird die trägerin gleichzeitig über muster und formgebung der körperhülle eine informationsträgerin der komplexen thematik.
es findet hier die verhüllung und der schutz des körpers, der körpergebundenen weiblichkeit, und gleichzeitig die enthüllung dieser thematik auf einer weiteren ebene statt.

 

 

das entstandene gesamtkunstwerk der beiden frauen löst sich ab von der starren ortsgebundenheit der kunst an der wand und entwickelt gemeinsam mit der trägerin eine räumliche unabhängigkeit, eigendymnamik und autonomie.

 

so transportiert frau -über die von ihr getragene körperhülle- die thematik der weiblichkeit mit all ihren facetten sichtbar in die gesellschaft.